Wenn 20 russische Studenten, ein Referent aus Russland und eine Referentin aus Deutschland, sowie die Gorbatschov Stiftung Moskau und die Konrad Adenauer Stiftung Moskau + eine popelige Praktikantin zusammenkommen, was hat man dann? Einen "Dialogue about Democracy".
Warum braucht man sowas? In Deutschland kann jeder sicherlich eine ungefähre Definition von Demokratie geben, bei uns ist das demokratische System derart alltäglich und natürlich, dass wir nicht mehr viel darüber sprechen müssen (wobei man über derartige Themen natürlich IMMER sprechen muss, aber bei uns in einem ganz anderen Kontext).
Wenn man sich einmal anschaut, welche Länder sich offiziell als Demokratie bezeichnen (das sind nämlich bis auf wenige Ausnahmen ALLE Länder der Welt) und welche es auch, nach unseren Maßstäben, wirklich sind, dann kommt man an einer genaueren Definition von Demokratie nicht vorbei. Und genau mit einer derartigen Definition - mit dem Austausch der Unterschiedlichen Auffassungen - hat sich der heutige Dialogue about democracy beschäftigt.
Laut dem Referenten (aber auch laut vielen der Studenten) ist Demokratie in Russland ein leeres, positives Wort, das manch einer dann auch versucht mit jeglichen Werten zu füllen und auf jegliche Art und Weise zu interpretieren. Dies bestätigt sich mit den Fragen und Statements, die im Anschluss von den Studenten kommen. Wer sagt den Menschen denn, was Demokratie ist? - fragt eine Studentin. Ihre Eltern seien die einzigen, von denen sie dies lernen könne, aber auch die hätten ihr ganz eigenes Verständnis von einem System, das sie selber eigentlich nie richtig kennengelernt haben.
Für viele Russen ist Demokratie das, was nach dem Fall der Sowjetunion unter Yeltsin eingeführt wurde. Das, was Armut, Chaos und Verwirrung stiftete. Putin hingegen steht für Stabilität. Er ist derjenige, der Russland wieder zu einer Großmacht aufsteigen lässt. Da überrascht es nicht, dass ein Student auch ganz offen sagt er fände den (westlichen) Begriff der Demokratie sehr utopisch. Die ideale Demokratie seines Erachtens nach sei dann gegeben, wenn eine Person ihre Ideen durchsetzt und das Volk dabei hilft, diese zu verwirklichen.
Im persönlichen Gespräch mit einigen Studenten der internationalen Beziehungen erfahre ich dann noch, dass ihre Professoren ihnen stets die USA als Feind, als unmoralisch beschreiben und dass jeder Student dazu zwar denken kann, was er will, dass man aber im Seminar selbst (der guten Note halber) lieber den Mund halten sollte. Sie erzählen mir, dass eben dies der Grund ist, weshalb sie Veranstaltungen wie die heutige besuchen - um eine andere Perspektive kennenzulernen.
Das erste Mal seit Beginn meines Praktikums habe ich das Gefühl etwas Sinnvolles getan zu haben.
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